|
|
|
|
TAP-SEGELSOMMER 2006 Hier findet ihr kurze Berichte unserer Theater- und Segelabenteuer auf der Ninive : |
|
Reisefieber (15. Juli) Noch wird gepackt, und wir freuen uns sehr, dass es endlich losgeht. Eine lange Zugfahrt steht uns bevor, doch müssen wir nur etwa 3 mal umsteigen, ehe wir in Arnis an der Schlei bei der Ninive eintreffen. Hier einige Links zur Steigerung der Vorfreude: Hafenführer im Internet Schleisegeln (15. Juli) Nach dem Einchecken in Arnis auf der Ninive bei unseren Skippern Jo und Rodney, gings nach Kappeln zum ersten Grosseinkauf. Dann ankerten wir etwas Schleiaufwärts und verbrachten eine ruhige erste Nacht mit viel Schlaf. Da wichen wir etwas vom Fahrwasser ab und prompt liefen wir auf Grund. Glücklicherweise gelang die Befreiung etwa auf den dritten Anlauf und mit einem kleinen Schrecken kamen wir recht glimpflich davon. Bei schönstem Wetter mit angenehmen Windverhältnissen segelten wir gemütlich weiter bis vor Schleswig, wo wir wieder ankerten und einen friedlichen Abend verbrachten. Nun liegen wir in Schleswig und erwarten am Sonntag unsere ersten Gäste. Motoren gegen den Wind (20. Juli) Am Sonntag nach der wunderbaren Impro-Aufführung in Eckernförde mit den lokalen Improphil empfingen wir unsere sechs Gäste und stachen kurz darauf in die Schlei. Leider war uns der Wind nicht wohl gesonnen und die Schlei zu schmal, dagegen aufzukreuzen. Also tuckerten wir mit Motorenkraft bis kurz vor die Schleimünde nach Maasholm, wo wir dann im Hafen nächtigten.
In gemütlicher Fahrt erreichten wir so um Mitternacht den hintersten Abschnitt der Kieler Förde, wo wir tags darauf an unserem Liegeplatz im Germaniahafen anlegten. Heute nun wurde der Anker wieder gelichtet, und weitere 2 Stunden Motoren (ja, man ahnt es bereits, der Wind gegen uns!) brachten uns in den malerischen Hafen Burgstaaken, wo am Abend eine weitere Vorstellung mit den Kielern gegeben wird. Endlich guter Wind (23. Juli) Zweimal musste noch gewendet werden, dann erreichten wir nach etwa 7 Stunden Fahrt Travemünde. Da ist zur Zeit der Bär los, die Travemünder Segelwoche hatte eben begonnen und tausende Leute tummelten sich Am Strand und in diversen Festzelten. Etwas weiter die Trave hoch machten wir im Hafen die Ninive fest und unternahmen einen kleinen Landgang. Auf dem Rückweg wurden wir dann noch vom legendären Kapitän Peter Fleck auf die Norden - dem ältesten Ostsee-Segelschiff (Baujahr 1870) - eingeladen. Es gab Rum und Klaus sang lustige Lieder. Der Peter sieht aus wie aus dem Lehrbuch, struppiger weisser Bart, und eine Piratenmütze auf dem Kopf, eine Ikone der Ostsee-Schifffahrt.
Navigieren nach Leuchtfeuern (25. Juli) Man muss allerdings recht konzentriert bleiben, da verschiedene andere Lichtquellen für Verwirrung sorgen können. Ein Schiff hat zum Beispiel niemals blinkende Lichter, wenn etwas blinkt und sich bewegt, muss es also ein Flugzeug sein (Skipperwitz!), hingegen blinken Leuchttürme und Tonnen immer, um so die Verwechslungsgefahr mit Strassenlaterne und dergleichen zu vermindern. Wie auch immer wir erreichten mit schönem Rückenwind um 2h morgens müde aber glücklich den Alten Hafen von Wismar.
Hier eine Vorschau auf den weiteren Verlauf unserer Reise.
![]() Das gab uns Gelegenheit die Fauna der Ostsee zu studieren, um die es nicht gerade zum besten steht. Erst säumten viele Tausende Quallen unseren Weg, dann waren da plötzlich wieder - wie schon zu Beginn unserer Reise - diese Blaualgen. Letztere sind keine Pflanzen, sondern Mikroorganismen, die sich in Flauten und bei den auch hier sehr heissen Temperaturen schnell vermehren, und dann mit der Zeit riesige schmutzig-gelbe (!) Teppiche bilden. Leider sind sie in diesen Mengen auch nicht so gesund für Menschen (sie reizen die Haut, und geschluckt können sie Durchfälle auslösen, und womöglich Schlimmeres...). So konnten wir nicht mal baden und schmachteten unserem Ziel Warnemünde entgegen. Kaum waren wir da, gabs sogar wieder etwas Wind. Heute morgen weckte uns die MS Baltica, die wegen uns nicht so anlegen konnte, wie es sich der Kapitän gewohnt war, wüste Drohungen waren die Folge, aber wir legten bald darauf ab, als alle wieder an Bord waren, und tuckerten nach Rostock, 2 Std. die Warnow rauf. Da hiess es Abschied nehmen von unseren beiden Skippern Jo und Rodney, mit denen wir ein schöne Zeit verbracht hatten. Deshalb waren wir alle etwas traurig, und einige Tränchen wurden verstohlen verdrückt. Ab jetzt sind Olli und Jörn für uns zuständig, und es wird an Bord ein etwas anderer Wind wehen, wir werden sehen. Wind und Wellen ( 30. Juli) Der zweite Auftritt mit den Wortlichtern in Rostock war weit spannender als der erste und endete mit einem knappen Sieg vom TAP. Mit dem neuen Skipper Olli kam etwas Action an Bord. Vorallem seine mitgebrachte 470er Jolle sorgte für einige Aufregung. Erst ging alles glatt und wir motorten nordwärts (der Wind, jaja), erst abends, als wir nach Osten abdrehen konnten, gabs noch ein paar Segeleinheiten bis wir schliesslich bei Zingst vor Anker gingen. Die See war recht bewegt und schaukelte uns in Schlaf. Am Morgen war dann die Jolle plötzlich weg, hatte sich losgerissen und Olli rückte mit dem Dingi aus. Er fand sie unversehrt am Strand. Dann segelten wir los, wobei Ollis Anweisungen durch viele unverstandene Fachausdrücke für Verwirrung sorgten. Es schaukelte heftig, Kreuzseen liefen übers Wasser, und dann riss sich die Jolle wieder los. Nach wenigen Minuten sah man sie fast nicht mehr, was unseren Respekt vor dem Ueberbordgehen zusätzlich erhöhte. Olli fuhr erneut los und brachte den Ausreisser zurück. In unseren Reihen wurde die Knoten diskutiert, wie man etwas ausbruchsicher festbinden könnte. Die Jolle war mit einem Palstek befestigt, und der ist (eigentlich bekanntermassen) bei ungleichmässigen Belastungen unzuverlässig, Die Jolle drohte sich dabei erneut loszureissen, doch die Bergsteiger unter den Gästen an Bord wussten Abhilfe: Ein doppelter Achter hält besser! (Nachtrag: Der Palstek ist laut Co-Skipper Jörn durchaus zuverlässig, doch muss das herausstehende Ende lang genug sein, der Knoten reckt sich dann noch und hält schliesslich.) ![]() Es war ein schaukelnder Segeltag und bald kamen wir in Kloster auf der lieblichen Insel Hiddensee an. Hier gibts keinen Autoverkehr, und auch sonst scheint die Zeit irgendwann stillgestanden zu sein. Hier kommen auch neue Gäste für die letzte Woche an Bord. Es gibt lange Strände und mit dem Fahrrad kann man die Insel erkunden. Ein wilder Ritt (2. August) Das brachte auch ein paar Mägen ins Rumoren und so kamen auch die Fische zu zusätzlichem Futter. Durch das Abdrehen nach Süden wurde aus dem Stampfen ein teilweise heftiges Schlingern und Rollen, und fast allen Ungeübten wurde etwas flau. Auch das Kochen unter Deck wurde dabei zum Abenteuer, die Pfannen mussten angebunden und die Köche abgelöst werden. (Unter Deck hat man keine Möglichkeit hinauszuschauen und am Horizont oder der Küste feste Punkte für die ´Eichung´ des Gleichgewichtsinnes zu finden.)
Mit Regen um Rügen (6. August) Erstmals auf dieser Reise fiel die geplante Aufführung in Sassnitz ins Wasser, zwar hörte es pünktlich gegen 20h zu regnen auf, aber durch das glitschige Deck war ans spielen nicht zu denken, was mit uns etliche doch noch gekommene ZuschauerInnen sehr bedauerten. Zum Trost gab es dann eine feine Mahlzeit im benachbarten "Moby Dick". Bei schönerem Wetter und gemütlichem Wind gings dann etwas weiter südlich nach dem Ostseebad Göhren. Mit einem kunstvollen Manöver legten wir mit dem Heck an der Göhrener Seebrücke an, nach vorne hielt uns dabei der Anker. Das ganze wurde aufmerksam von zahlreichen Zaungästen bewundert, auch das Nachtessen an Bord, so dass wir uns fast wie im Zoo vorkamen, es ist da offenbar nicht so viel los... Für einen Schlummertrunk gingen die meisten mit dem Dingi an Land, der Skipper empfahl uns die schöne Strand-Kneipe Robinson Jr., wo er demnächst heiraten wird. In der Nacht frischte der Wind etwas auf und wurde auflandig, das bescherte dem Skipper eine etwas unruhige Nacht. Als dann gegen Morgen auch noch ein Gewitter losbrach, musste schnell abgelegt werden, und da die meisten noch schliefen, machten das die Skipper alleine. Danach segelten wir südwärts und hatten flotte Fahrt bis Greifswald, wo wir gerade rechtzeitig für die abendliche Vorstellung eintrafen. Pünklich zu Beginn derselben brach ein kurzer Platzregen los, die zahlreichen Zuschauer suchten Schutz und mit 20minütiger Verzögerung beschlossen wir die Vorstellung doch durchzuziehen, was dann trotz weiteren Regentropfen gelang. Am Samstag legten wir wieder los und kaum waren wir auf dem Meer gabs ein heftiges Gewitter, auch der Wind blies recht stark. Da fiel wegen Überhitzung plötzlich die Motor aus, bevor wir auch nur ein Segel gesetzt hatten. Da wurde es etwas hektisch an Bord: Das Kühlwasser musste wieder aufgefüllt und die Segel gesetzt werden. Zu allem Überfluss brach auch noch eine Leine am Besan. Die See kochte, der Wind brauste, Blitze donnerten rund um uns nieder, doch mit gemeinsamen Einsatz konnten wir die Situation bereinigen und kamen langsam wieder auf Kurs. Dann hörte der Regen auf und bei munteren 6-7 Windstärkenheizten wir auf raumem Kurs westwärts nach Stralsund. Hier findet nun der letzte Gästewechsel statt, und wir spielen eine letzte Vorstellung, bevor wir zurück nach Rostock segeln, wo die Ninive an der Hanse-Sail, einem Traditions-Seglertreffen erwartet wird. Prognose und Wirklichkeit (9. August) |